radio-interview "satokii"

gespraech von mitgliedern der satokii redaktion mit klangstabil
(ausgestrahlt in gekuerzter form am 12.04.97 in der satokii sendung (samstags 17 - 19 uhr)
beim freien radio fuer stuttgart (97,2 mhz & 102,1 mhz kabel).)


stellt euch doch mal vor, wie habt ihr euch zusammengefunden?

m: ein guter freund von uns, karsten doehring, wollte mal was produzieren. damals waren wir noch nicht klangstabil. der war dann bei mir daheim und hat den boris mitgebracht als guten freund, der sich ein bisschen interessiert hat fuer die musik. und irgendwie war dann der boris mehr an den geraeten interessiert als mein freund, und dann haben wir uns so kennengelernt. und ab da war er dann eigentlich jeden tag bei mir und schraubte an den geraeten rum. er ist dann da haengen-geblieben, und hier sind wir.

habt ihr euch schon vorher mit elektronischer musik beschaeftigt, wenn ja, seit wann?

m: bei mir war das so mit 14, 15, da habe ich mir meinen ersten synthesizer gekauft, und dann hat sich das so weiterentwickelt, neue geraete, mehr sounds, eigentlich mehr rumexperimentiert. aber ich habe mich dann eigentlich erst mit dem boris verwirklicht, und dann hat sich eben klangstabil ergeben.

wie seid ihr auf den namen klangstabil gekommen?

m: das war so, da hat es klangstabil eigentlich schon gegeben, aber nicht unter dem namen, und wir wollten einen synthesizer kaufen, genauer war es die 303. das ist schon eine weile her, und der boris rief dann bei dem synthesizer-verkaeufer an und meinte, "wie sieht es denn ueberhaupt aus, ist die 303 denn klangstabil?" das hat den hintergrund, dass man bei der "mini-moog" normalerweise fragt, ob sie "stimmstabil" ist, fuer ihn war das aber irgendwie klar, das muss "klangstabil" heissen. das blieb irgendwie haengen, und da war klar, es muss klangstabil heissen.

wie ist das, man kommt doch mit 14 nicht einfach so darauf, sich einen synthesizer zu kaufen.

m: bei mir war das so, ich habe mit 8, 9 gemerkt, dass ich eigentlich mehr interesse an musikinstrumenten habe, genauer am klavier, und habe eigentlich den ganzen sommer daran verbracht. die anderen kinder in meinem alter haben sich mehr fuer fussball und andere dinge interessiert, und ich bin eben zu meiner tante nach italien gefahren und bin am klavier gesessen und habe uebungen gemacht. und mein traum war es immer, ein eigenes klavier zu haben, aber in unserer wohnung war kein platz dafuer, und dann hatte ich eben die idee, mir eine orgel zu kaufen. meine erste orgel war eine bontempi-orgel. aber das hat mir irgendwann nichts mehr gegeben, das war mir zu wenig, und ich habe dann mit 15 in den sommerferien gejobbt und mir von dem geld meinen ersten synthesizer gekauft, der war von roland, der d-10, das ist schon eine weile her. und dann hat es eben so angefangen, es wurde immer mehr und mehr, und irgendwann kam dann eben der boris, und seit dem tag hat es sich ungefaehr verdoppelt.

wie produziert ihr, ueberlegt ihr euch vorher, das und das will ich machen, oder lasst ihr die geraete einfach laufen und schaut, was dabei herauskommt?

b: also am anfang haben wir das schon so gemacht. wir haben uns noch nicht gekannt, und ich wollte halt einfach meine ideen verwirklichen, die ich so aus der diskothek mitgebracht habe, die ich eben frueher beim karsten im wabun gehoert habe. ich dachte, ich koennte eben da meine "techno tracks" machen. und irgendwann kamen wir dann eben dazu, andere toene, geraeusche zu machen und sahen, dass sich da dann etwas besonderes herauskristallisiert hat. und das ist aus uns ent-standen, nicht aus mir oder aus ihm, sondern aus uns. und dann haben wir daran weitergearbeitet und haben gesagt, das muessen wir weitermachen, das ist unser ziel, letztendlich musik neu begreifbar zu machen, also neue musik zu machen, ein ganz neues verstaendnis aufzubauen von musik, nicht einfach eine struktur zu haben, das zu machen, was andere schon vorher gemacht haben. und wir haben eben versucht, ganz von vorne neue sachen zu entwickeln. wo man sagen kann, da haben wir etwas von uns herausgeholt, und letztendlich entstand dann eine ganz neue musik, die zu keinem stil passt. maurizio kommt ja aus dem hip hop bereich und aus dem elektro bereich frueher, und ich komme auch von den alten rap- und pop-sachen, und letztendlich haben wir das aufgenommen und fuer uns verarbeitet, und dann entsteht was ganz neues und es ist von allem was drin.

gibt es bei euch eine rollenverteilung, sagt ihr, der ist fuer das zustaendig und der fuer das? es gibt ja musiker, die sagen, wir verstehen uns ueber den geist und das funktioniert dann so.

b: ja, das funktioniert schon so. eine rollenverteilung gibt es insofern, dass maurizio wirklich eher ein musiktalent ist, er ist ein musiker fuer mich. und ich experimentiere eher mit dem medium, ich inspiriere ihn mit meinen gedanken und er mich mit seinen musikalischen faehigkeiten, denn ich kenne kein talent, das so nahe an mich herangekommen ist, und ich denke, dass niemand so an mich herankommen wird, wie maurizio.

und wie funktioniert das ganz praktisch? schaut ihr einfach, was fuer toene der synthesizer produziert und macht was daraus, oder sagt ihr so oder so koennte etwas klingen und probiert dann, das zu machen?

m: also bei manchen rhythmen ist es schon so, dass ich sie in meinem kopf habe; ueberall wo ich sitze, ich fuchtle immer mit meinen haenden rum, irgendeinen drumpattern oder sowas, aber bei toenen ist das irgendwie nicht so moeglich. es gibt ein so breites spektrum von toenen, da kann ich mir nicht einfach etwas vorstellen und setz das dann an den analogen geraeten genau so um, das funktioniert einfach nicht. zum teil ist es schon mehr etwas zufaelliges, das einfach so entsteht, es ist so ein spiel zwischen uns und den geraeten, eine art einklang also.

wie ist das, bei analogen geraeten kann man ja keine sounds speichern. wie sammelt ihr eure sounds?

b: maurizio hat ja schon gesagt, dass wir eine einheit bilden mit den geraeten, da sind praktisch wir die sequenzer, wir zusammen mit den geraeten die sequenzer. wir brauchen keine struktur, kein muster, kein cubase wie das jeder kennt, der selber musik macht, wo das einfach festgelegt ist, wo 1 und 0 festgelegt ist. wir holen das einfach aus uns heraus, das sind vorgehensweisen, die mit normalen techno-produktionen nichts mehr zu tun haben, mit produktionen, wie sie heutzutage jeder kleine spacker zu hause macht. dafuer sind eben die analogen geraete da, damit man andere sachen damit machen kann als irgendwelche nullen und einsen, irgendwelche konstruktiven basslines oder sonst so ein fuck den es da gibt. aber ich muss es ja fertig machen. ich kann es ja nicht lassen und irgendwo essen gehen und dann weitermachen. natuerlich kann man das machen. wir haben schon oft einen synthesizer einfach angelassen, auf hold gedrueckt, diese funktion gibt es auch bei analogen geraeten, sind dann in die kueche gegangen, haben uns was zu essen gemacht, und der synthesizer hat dann alleine weiter gespielt. und das haben wir dann auch aufgenommen, und letztendlich sehen wir das auch als fertig an, weil das einfach so gekommen ist, wie es kommen musste.

schreibt ihr euch einstellungen auf?

b: ja, gewisse einstellungen sollte man schon aufschreiben, wenn einem ein bestimmter ton gefaellt. auch rad- einstellungen, drehknoepfe, poddies- zahlen.

sprecht ihr euch ab, jetzt machen wir musik, oder ist einer schon da und der andere kommt dazu? man muss sich ja treffen.

b: also zur zeit ist die zeit ziemlich rar. wir treffen uns beim maurizio, das studio ist bei ihm zu hause - wir haben eine versicherung - also wenn wir zusammenkommen, dann machen wir erst mal die geraete an, schauen was entsteht, lassen das dat mitlaufen. wenn etwas entsteht, entsteht etwas, wenn nichts entsteht, dann nicht. es kommt auch auf unsere laune an, wenn wir in einer aggressiven laune sind, dann kommt ein aggressives stueck heraus, wenn wir gelassen sind, dann wird es eben gelassen, wie man sich fuehlt eben.

also klingen eure stuecke bei jedem auftritt anders?

b: es wird nie gleich klingen. es ist so, dass wir auch auf der buehne alles fuehlen, alles mitkriegen, die umgebung, uns, die geraete. das stueck entsteht erst auf der buehne, durch die ganzen gefuehle, die auf uns einwirken. es ist so ein zwischenspiel. wenn die leute schlecht drauf sind, das merkt man, dann konzentriert man sich eben mehr auf die geraete. zum beispiel waren wir auf einer kellerparty, die war so scheisse, da hatte ich dann ueberhaupt keinen bock. das hat dann nichts gebracht, da kam nichts zustande, und ich will auch den leuten nichts geben, das nichts bringt, und die geben mir letztendlich auch nichts. und ich habe dann letztendlich abgebrochen und der maurizio dann auch und tschuess gesagt.

was habt ihr fuer geraete, kann man da was nennen?

b: nein, also geraete, das ist nach wie vor das selbe thema, geraete wollen wir nicht nennen und werden auch viele andere gruppen nicht nennen wollen. wenn irgend jemand seine geraete auflistet, in zeitschriften oder im booklet, das treibt die preise in die hoehe, und das kann sich dann niemand mehr leisten. wobei, zur zeit sinken die preise wieder.

wieviele stueck sind es ?

b: also es stand in so einer kleinen pocket- zeitschrift, es waeren 50, und ich glaube dabei lassen wir es.

und es sind noch welche dabei mit holz?

b: ja, natuerlich, mit richtig massivholz, und ich glaube jeder, der sich damit auskennt, weiss, was fuer geraete das sind.

setzt ihr euch selber grenzen bei der musik?

b: nein, wir setzen uns bei der musik keine grenzen. wir setzen uns ja auch ausserhalb der musik keine grenzen, man bildet sich jeden tag weiter und versucht, grenzen, die schon da sind, zu durchbrechen.

was macht ihr sonst, oder seid ihr berufsmusiker?

b: schoen waer's, wobei es hier nicht um geld ginge, sondern einfach um die zeit und die liebe zur musik und noch mehr aus sich rauszuholen, durch die musik, und nicht nur durch das normale leben.

es gibt ja musiker, die machen etwas, hinter dem sie nicht so stehen, um geld zu verdienen, und damit das zu finanzieren, was sie gern machen. wie steht ihr dazu?

b: generell: wir scheissen aufs geld. geld ist das kaputteste, was es gibt auf der welt, der ganze scheiss, der jeden tag im fernsehen kommt, hat alles nur mit geld zu tun. solche leute, die etwas nur wegen dem geld machen, die haben wirklich keine ahnung von musik. auf so eine kacke haben wir echt keinen bock, und solchen typen erklaeren wir auch gerne den krieg. und wir wuerden deshalb auch gerne in diese medien steigen, um diesen leuten in den hintern zu treten. denn ich habe auf den ganzen scheiss echt keine lust mehr, zum glueck habe ich kein mtv und kein viva, weil da wird es mir nur uebel. wenn ich mal den fernseher anmache, dann moechte ich vielleicht relaxen, dann wuerde ich auch gerne mal was mit wert sehen.

was bedeutet elektro fuer euch?

m: ja, elektro ist so eine sache. ich komme ja eigentlich aus dem oldschool- elektro, kann man sagen, das ja so 82 angefangen hat, auch die ganzen breakdance- sachen. fuer mich ist elektro eigentlich so die hauptmusik, bei mir basieren auch die ganzen rythmen irgendwo auf einer art elektro. es ist die einzige musik, die mich ueberhaupt irgendwie kickt, auch beim tanzen.

das war 82, und du hast gesagt, 86 hat bei dir das interesse fuer elektronische musik angefangen. was hat dich zu der zeit so musikalisch begleitet, was hast du gehoert?

m: gut, es waren sicherlich auch die ganzen pop- sachen, depeche mode, a-ha, human league, yazoo und die ganzen sachen. aber meine musikrichtung hat dann etwas obskurer angefangen, so richtung wave, new wave damals, und das war, wie der boris immer sagt, mehr so theater musik. irgendwelche melodien mit minimalistischen rhythmen im hintergrund, also mehr so soundtracks eigentlich, das hat weniger mit elektro zu tun gehabt. auch leute wie mike oldfield, jean michel jarre, kraftwerk.

liegen da auch eure vorbilder, oder habt ihr vorbilder?

b: maurizio ist mein vorbild.
was heisst vorbilder, klar, wir holen uns von vielen gruppen inspiration, gerade von kraftwerk, wenn wir aufs thema kommen, musste ja kommen. wir lieben kraftwerk, und kraftwerk hat uns schon viel geholfen. gerade von kraftwerk kommt der ganze mut, denn wir haben am anfang natuerlich schwierigkeiten gehabt, das anderen leuten zu zeigen, aber dann haben wir gedacht, wieso kann man eigentlich nicht so etwas bringen, denn kraftwerk hat so viel gebracht frueher, was man sich eigentlich gar nicht haette vorstellen koennen. und ich denke, kraftwerk ist immer noch die gruppe mit dem groessten einfluss auf die heutige musik. weltweit, da gibt es nichts dran zu ruetteln. und natuerlich haben wir dann damit auch unser ding rausgezogen letztendlich, denn kraftwerk hat so ein grosses universum aufgebaut, an dem andere nicht mal dran kratzen koennen. und es kommt auch inspiration von ganz anderen, haerteren sachen, black beats, public enemy zum beispiel, es gibt schon fette beats, kompromisslose sachen. ja, inspiration, vorbilder nicht unbedingt. also fuer uns sind kraftwerk goetter, ich weiss nicht, ob man das als vorbilder sehen kann. wir machen halt nichts nach, wir machen unser eigenes ding, wir kopieren nichts, und ein vorbild ist ja wie so eine art abziehbild, gleich sein, und das sind wir ja nicht, wir haben unser eigenes ding entwickelt.

das wurde ja schon einmal falsch verstanden mit dem kraftwerk- vorbild, in einem interview.

b: ja, das war im lift, das mit den kraftwerk- lehrlingen. vielleicht wollte sich da jemand nicht mit uns auseinandersetzen, hatte kein interesse daran, oder hat einfach mal so irgendwas gesagt, ohne sich gedanken darueber zu machen, wen er damit eigentlich anspricht. wir haben alles selber erarbeitet und entwickelt, und wir wissen, von was wir sprechen. "selbst ernannte kraftwek- lehrlinge", na gut, das interessiert uns letztendlich recht wenig. es kann sein, dass viele sich einfach nicht dafuer interessieren wollen. wir wissen, was wir machen und was wir koennen.

wuerdet ihr kraftwerk gerne mal treffen?

b: ja, wir haetten sie sicher gerne mal getroffen, aber ich weiss nicht, wie ich reagiert haette, wenn sie vor mir gestanden waeren, wahrscheinlich wie so ein kleiner teenie vor einer boygroup oder so, wir haetten gerne mal mit ihnen gesprochen. maurizio hat ja auch schon mal mit ralf huetter gesprochen, das legendaere telefongespraech.

m: ein gespraech mit dem gott war das. es gibt da so ein buch, da steht eine uralte telefonnummer von ihm drin, und ich habe da einfach angerufen. eine telekom- stimme hat sich dann gemeldet und gesagt, dass sich die nummer geaendert hat, und ich habe die neue nummer auch gleich gewaehlt, und da war bestimmt 50, 60 mal der gleiche anrufbeantworter spruch, die stimme von ralf huetter, die, glaube ich, die telefonnummer angesagt hat und im hintergrund sequenzen von irgend einem synthesizer. und nach einem piepston konnte man dann ganz normal draufreden, und das haben wir dann auch gemacht. wir haben so eine art telefonseelsorge entwickelt, wir haben angerufen und einfach so unsere probleme dargestellt, was mit unseren freundinnen abgeht, was wir gerade so treiben, einfach durchgegeben, mal schauen was so passiert. dann habe ich ihm das ganze klangstabil material das ich hatte auf blaettern zugefaxt, das waren so 6, 7 seiten. ein paar minuten spaeter habe ich dann noch mal angerufen, und ploetzlich meldet sich eine stimme, "hallo?" und ich habe sofort aufgelegt. ich kann nicht beschreiben, was ich in dem moment gefuehlt habe, also ich habe das "hallo" von ralf huetter gehoert! ich habe dann gleich nochmal angerufen, er hat wieder abgehoben, ich denke auf jeden fall, dass er es war. ich habe ihn dann gefragt, ob er die faxe bekommen hat, und er hat gefragt "klangstabil, die faxe?" - er hat klangstabil gesagt! dann habe ich ihn noch gefragt, ob ich ihm unsere platte schicken kann, das war die senden und empfangen auf shokoy. ich habe sie ihm auch geschickt, doch die kam dann nach zwei wochen zurueck, empfaenger unbekannt oder so was. dann sind wir zwei, drei monate später nach krefeld gefahren, ralf huetter wohnt ja in krefeld, und waren dann vor seinem haus. da waren dann manche fenster zugemauert, und wir haben reingeschaut, und da war dann ein spiegelsaal, die waende voller spiegel, die decke voller spiegel, keine bilder, nur spiegel.

b: wir haben dann auch fotos von dem haus gemacht, von innen und von aussen, und es wirkte alles ziemlich gespenstisch, es war eben ein ganz normales einfamilienhaus, buergerlich, mittelstand; wir haben dann noch ein ouk in den briefkasten gestopft. dann sind wir nach duesseldorf gefahren zu emil schult, dem cover- designer und engem freund von kraftwerk, haben ihm auch eine platte vor die haustuer gelegt und sind gegangen. ach ja, das erste was wir natuerlich gemacht haben, wir haben das studio gesucht, das kling klang studio. die angaben waren so, dass es in der naehe des bahnhofes in duesseldorf sein sollte, und wir waren dann in einer strasse beim bahnhof, alles hat gestimmt, ein tuerkischer lebensmittelladen war da, nebendran war ein café das hiess metropol, und gegenueber war ein hotel das hiess komet, und fuer uns war dann klar, wir sind richtig.

m: an der tuer war ein schild: "zutritt fuer unbefugte verboten!", und es waren 6 klingelschilder, und das unterste schild, das fuer den keller praktisch, war leer.

b: wir wollten uns dann von einer anderen person im haus aufmachen lassen, also wir haben schon versucht, reinzukommen, aber letztendlich wollten wir diesen "tempel" nicht entweihen.

m: aber ich habe die tuer beruehrt!

da sieht man, ihr lebt ja den mythos richtig, aber warum gibt es diesen mythos noch? kraftwerk haben ja in den letzten jahren nichts gemacht, erst jetzt wieder.

b: ja, das neue album ist an emi abgegeben, aber ich kann mir auch nicht denken, dass sie in den letzten jahren nichts gemacht haben, sie haben immer getan. sie haben vielleicht nur noch zu zweit gemacht, florian schneider und ralf huetter, aber sie haben nur getan, sie wollen ihren traum verwirklichen.

gibt es eine platte, vielleicht gerade eine neuere, die kraftwerk vielleicht besser nicht gemacht haette? da gab es electronic music und esperanto, die nicht so toll war.

b: ich glaube, das duerfen wir nicht beurteilen. ich habe nur noch die electronic music mitbekommen, und ich fand sie nicht schlecht, es war kraftwerk- aehnlich, mit kraftwerk- samples, aber mir hat es gefallen.

zurueck zu euch - ist es euch wichtig, dass die leute eure musik verstehen?

b: es ist uns nicht wichtig. wir freuen uns, wenn sich leute mit unserer musik beschaeftigen und uns ein bestimmtes feedback geben, aber es interessiert uns letztendlich nicht, weil wir haben unsere freude daran, und das ist fuer uns das wichtigste.

das glaube ich nicht, dann wuerdet ihr es nicht auf platte pressen und verteilen.

b: gut, letztendlich interessiert uns nur unser naeheres umfeld, unsere freunde, unsere familie. ist es euch wichtig, euren bekanntheitsgrad zu vergroessern? nehmen wie als beispiel aphex twin - wollt ihr dorthin kommen?

m: solange wir immer unser ding machen, uns treu bleiben - wenn's passiert, passiert's. dann ist es uns, mir zumindest, ziemlich egal.

wenn ihr eine platte macht, schafft ihr euch ja ein medium, und ihr werdet automatisch bekannter.

b: das ist notgedrungen, aber wir haben nicht das ziel, bekannter zu werden. wenn sich die leute fuer uns interessieren, kann uns das nur recht sein. wir wollen ja musik neu begreifbar machen, wir haben das ziel. wir wollen aber nicht populaer werden. wir wollen vielleicht andere leute mit inspirieren, endlich mal auf den gedanken zu kommen, diesen scheiss zu lassen, den sie an ihren geraeten machen. klar, so was wird es immer geben, es wird immer kommerz - scheisse geben, und man kann nichts dagegen tun. aber letztendlich haben wir uns schon so abgesondert, dass wir uns dafuer gar nicht mehr interessieren. es ist einfach schoen, leute um sich zu haben, gerade wie goran besov, die unsere musik hoeren und sich davon inspirieren lassen und wir uns von ihnen. wo man einfach etwas fuehlt, etwas spuert, und nicht einfach eine oberflaeche, sondern wo man weiss, der kann einem was geben. und ich will einfach mehr bekommen, von vielen kuenstlern vielleicht, weil das einfach schoen ist, das macht einfach spass. ich will einfach, dass mehr da ist, und nicht nur immer diese scheisse im fernsehen. die kids heutzutage haben doch gar keinen vergleich mehr, nur noch diesen scheiss, sie haben keine ahnung mehr.

musik neu begreifbar machen - interessiert es euch, ob sie begriffen wird?

b: wie gesagt, das naehere umfeld interessiert uns, und letztendlich spricht das auch fuer andere. wir holen die erfahrung, wie unsere musik auf andere menschen wirkt, von unserem naeheren umfeld, und da steht auch ein bestimmtes publikum dahinter, das gleich denkt. insofern wissen wir, dass wir das richtige machen, und wenn maurizio das gefaellt, was ich mache, dann gibt mir das etwas, und genauso ist das, wenn er mich fragt und ich ihm sage, dass etwas gut ist. und so koennen wir uns selber hineinsteigern in die sache, selber die kraft und den mut haben, einfach die sachen weiter zu machen.

und wie sind die reaktionen?

b: bei der boehm nur positiv, und bei der alten platte, das war halt ein schlag ins gesicht. nur die offen dafuer waren, fuer die war es gut, die sie gekauft haben, fanden sie gut.

aber es ist doch gut, wenn es kommerzielle musik gibt, dann tritt eure musik mehr in den hintergrund, und ihr erreicht dann eher eine zielgruppe, die ihr wollt.

b: wir haben keine zielgruppe, wir haben uns nie an bestimmte leute gerichtet, die leute haben sich unserer musik angenommen. wenn ein techno- schuppen uns holt, wenn die leute uns wollen, dann spielen wir. aber wir spielen unseren sound, wir spielen nicht das, was die leute hoeren wollen. wir haben keine zielgruppe. ich habe unsere platte an einen jazz laden verkauft, es ist mir ganz egal, weil die leute vielleicht merken, da steckt was dahinter, da ist vielleicht etwas von jazz drin, da ist etwas von easy listening drin, es ist sehr vielfaeltig, und es hat diesen "es hat was" touch. und das ist uns wichtig, dass alle leute, egal woher sie kommen, uns akzeptieren. es gibt keine zielgruppe. die akzeptanz war im naeheren umfeld, aber es freut mich natuerlich, wenn ich in einen jazz laden gehe, und die sagen, he, toll, wir kaufen fuenf davon.

gibt es videos zu euren tracks, und wenn nicht, koennte man das sichtbar machen?

b: wir haben schon vor, videos zu machen, es macht einfach spass, auch mit dem medium bild umzugehen. ich bin auf einer medien- design- schule, und das kann mir nur helfen, mich da hineinzuarbeiten, und spaeter fuer meinen beruf mal eine hilfe zu haben. es macht einfach auch spass, mit bildlichen sachen umzugehen, aber wir arbeiten bis jetzt nur in schwarz- weiss, weil wir mit farbe einfach noch nicht umgehen koennen. wir muessen vielleicht erst mit farbe umgehen lernen, um dann farbe einzusetzen. wir haben schwarz- weiss, und mit dem koennen wir ganz gut umgehen, und letztendlich ist das nur eine sache des lernens, und das braucht alles seine zeit.

macht ihr die plattencover auch selber? das hat ja auch etwas damit zu tun, es bildlich zu machen, oder ist es nicht so wichtig, nur die huelle?

b: nein, es ist schon wichtig, das ist ein gesamtkonzept, so wie unsere auftritte auch. es ist so, es ist von uns so geplant und es muss so sein. auch die internet- seiten sind von uns gemacht.

eure live - auftritte, ist das euch wichtig, macht ihr das gern?

b: wie gesagt, wenn die leute uns haben wollen, und wir kriegen einen bestimmten gegenwert dafuer, das muss kein geld sein, das machen wir sehr gern. man muss sagen, das ist immer ein riesen- aufwand, das ist kein dat oder keine cd, die rein geworfen wird, das ist alles live. und das ist eine sache von konzentration, jeder weiss das, der selber musik macht, besonders wenn man noch stimme einsetzt, wie gefaehrlich das ist, wenn einem die stimme ploetzlich abhaut. wir machen das noch nicht, aber vielleicht kommt das noch irgendwann mal. aber allein auf die geraete aufzupassen vor dem auftritt, das machen wir alles alleine, wir lassen niemanden an unsere geraete dran, das ist ein riesen aufwand, da muss ein bestimmter gegenwert da sein. wir machen das sehr gern, sofern das umfeld stimmt und wir wissen, wir machen das fuer einen bestimmten zweck, fuer uns oder fuer eine sache, wo wir dahinter stehen.

wie sieht der ideale auftritt fuer euch aus, den ihr gern haettet, oder vielleicht schon hattet?

b: das waere zu teuer (gelaechter). wie gesagt, wir scheissen aufs geld, und wenn wir irgendwo auftreten wollen, und die haben zu wenig geld, das ist kein problem, da reden wir dann drueber. aber wir wollen einen guten auftritt, wir wollen, dass wir uns praesentieren koennen. es muss was haben, es muss eine bestimmte atmosphaere haben, in der man arbeiten kann, wo man sich wohl fuehlt und auch gelassen arbeiten kann, an die sache ran gehen kann.

ihr habt ja schon auftritte gehabt, wo die leute richtig vor der buehne auf stuehlen sassen, wie beim konzert. wollt ihr das so, oder ist euch das so lieber?

b: nein, erzwingen wollen wir das nicht. es hat sich so ergeben, dass die leute bei unseren konzerten stehen und hoeren, und eben nicht tanzen, wie eben auch schon gesagt wurde, dass unsere musik nicht tanzbar waere. egal ob die leute tanzen oder nicht, ob es ihnen gefaellt oder nicht, wir machen das, was wir wollen. erzwungen ist das mit den stuehlen nicht, aber es erzeugt eine gewisse atmosphaere, die witzig ist, und in der es spass macht zu arbeiten.

gibt es von euren platten remixe, habt ihr schon remixe gemacht oder wuerdet ihr jemanden gerne mal remixen?

b: nein, wir machen eigentlich nichts, was schon mal dagewesen ist. klar, es wird immer gesagt, ein remix ist etwas ganz neues, aber es hat doch immer einen touch vom alten drin, und eine idee, wenn man sie als thema sieht, hat doch immer etwas vom alten drin, und fuer was braucht man das? das braucht es doch nicht, etwas wieder neu zu machen, aufzufrischen. gefuehle waren damals da, und weshalb muss man die jetzt wieder auffrischen und in neue gefuehle packen?

es hat ja doch was mit kommerz zu tun.

b: es hat doch etwas mit kommerz zu tun, nicht immer, denn es gibt ja auch menschen, die im untergrund arbeiten und remixen und gar nichts an kommerz dahinter sehen, weil sie sich damit identifizieren oder es ihnen damals etwas gegeben hat und machen das eben fuer sich selber nochmal. dann sollte man es aber nicht veroeffentlichen.

eure neue platte ist auf eurem eigenen label megahertz erschienen, die alte auf shokoy. war die zusammenarbeit nicht so optimal, oder hat das andere gruende?

b: shokoy war ein ding, und megahertz ist eben unser ding. die zusammenarbeit mit shokoy hat sehr gut geklappt damals. es war so, dass wir bestimmte sachen abgeben mussten an shokoy, und wir hatten bestimmte vorgaben, und damals war uns schon bewusst, wenn wir so anfangen, hat das ueberhaupt keinen sinn. wir haben gleich gesagt, wir lassen uns keine vorgaben machen, und haben dann gleich den herausgeber von shokoy records angerufen und gesagt, wir wollen lieber weniger geld haben fuer die produktion. das waren dann letztendlich 250 dm. und wir wollten dafuer lieber das machen, was wir wollen, und wir haben dann auch das gemacht, was wir wollten und waren dann mit unserem produkt zufrieden. und das ist ja auch das wichtigste fuer uns selber, denn wir haben ja dann die platte im regal stehen. wir wollen ja zufrieden sein mit unserer platte und uns nicht jahrelang vorwerfen, wie viele andere die wir kennen, die sich jahrelang in den arsch treten koennten, nur wegen dem scheiss, den sie damals gemacht haben. und das wird bei uns nie passieren, denn wir lassen uns nicht erpressen, so eine scheisse lassen wir nicht zu.

seid ihr euch manchmal uneinig, gibt es manchmal schwierigkeiten?

b: es gibt keine schwierigkeiten.

m: weder persoenlich noch in der musik, also familiaer gesehen, gab es je probleme, und die wird es auch nie geben, da bin ich mir wirklich sicher.

b: man kann schon fast sagen das ist eine art liebe, und das ist eben so, das hat sich so ergeben, weil wir einfach gemerkt haben, wir haben dasselbe ziel. wir vertrauen uns gegenseitig, wir koennen einander vertrauen, jeder weiss, der andere ist fuer ihn da, das ist immer so, das war noch bei keiner frau so bei uns, und es wird auch nie so sein. man kann auch sehr viel kraft schoepfen aus dieser liebe, und aus dieser kreativitaet heraus, die diese liebe mit sich bringt. ich muss sagen, ich kenne keinen menschen, der so viel kraft, so viel ausdauer, ehrgeiz und geduld und selbstmotivation hat wie der maurizio. vielleicht meine mutter, aber die liebe ich auch sehr. und es gibt niemanden den ich sonst kenne, der so viel power hat und der einem so viel geben kann wie der maurizio, das muss ich echt mal sagen hier.

megahertz - koennt ihr euch auch vorstellen, musik von anderen kuenstlern zu veroeffentlichen auf megahertz? sind da schon welche im gespraech, muessen die etwas entsprechen?

b: sie muessen sich entsprechen, und die musik muss ihnen entsprechen. es sind schon leute im gespraech, aber die koennen wir hier nicht nennen. es ist ja auch eine finanzielle frage, wir haben kein geld fuer grosse projekte. natuerlich sind auch wir letztendlich abhaengig vom geld, aber wie gesagt, wir ueberstuerzen nichts und lassen uns nicht ficken. wir sagen nicht, wenn wir einen fetten vertrag kriegen, das machen wir, und muessen das machen, was die wollen. das laeuft nicht. wir lassen uns lieber zeit und scheissen auf die kohle, auch wenn wir keine geraete kaufen koennen, weil wir kein geld haben.

b: und zum abschluss noch ein zitat von monsieur stéphane. monsieur stéphane hat gesagt: "spielen nach noten ist wie malen nach zahlen."