shadowboy - reviews

http://www.dark-news.de
Schon vor einigen Wochen hatten wir über das neue Album des deutschen Electro-Duos Klangstabil berichtet. Nun hatte ich das Privileg, mir das Werk anzuhören und zu rezensieren.
Schon die Beschreibung des Albums und der Grund, warum es geschrieben wurde, machten mich neugierig, denn ich selbst kenne dieses Gefühl, überfordert innerhalb sozialer Gefüge zu sein und es gab oft Phasen, wo ich mich isoliert hatte und im Konflikt stand, wie es nun weiter gehen soll. Mit ”Shadowboy” haben Klangstabil ein musikalisches Anklagewerk gegen die Gegenwart geschaffen; gegen die heutzutage vorherrschende Lebensphilosophie, dass die Funktionalität des Menschen innerhalb der Gesellschaft wichtiger sei als das Individuum selbst. Der alte Ego der Band, ”Shadowboy”, ist der Antagonist, für ihn ist das Leben klipp und klar kein Projekt; er will nicht nur arbeiten, sich selbst optimieren und ständig an die Zukunft denken. Er will im Hier und Jetzt leben und dafür nicht verurteilt werden.  Der Shadowboy sucht seinen eigenen Weg in dem Album, sucht nach Werten und vermittelt diese dann dem Hörer weiter. Der Shadowboy fordert Solidarität, Geduld, Einfühlsamkeit und Verständnis von seinen Mitmenschen. Musikalisch verinnerlicht das Album alles, was jemals als elektronische Musik abgestempelt wurde: von kühlen Waveelementen wie in ”The Awakening”, über groovige Synthesizer bis hin zu experimentellen und minimalistischen Elementen. Trotz dieser Vielfalt bleibt das Album immer noch sehr eingängig – das Album ist sehr überdacht komponiert, ohne dabei zu aufgetragen zu wirken. Es mischen sich sogar R’n'B-Elemente wie in ”The bottom of your list” oder klassische Chorelemente wie in ”Schattentanz”, die die Dramatik des Aussenseiter-Seins auf eine noch höhere Ebene heben. Dominierend bleiben jedoch die wavelastigen Elemente, die eine Stimmung von Melancholie und Einsamkeit erzeugen. Durch diese musikalische Vielfalt, die einem verbietet, Klangstabil in eine bestimmte Schublade zu stecken, wird auch das innere Leben des Shadowboys gut unterstrichen, der zwar zumeist wütend ist, jedoch auch seine schwachen und nüchternen Momente hat. Diese Stimmungsvielfalt wird jedoch noch beeindruckender durch den Gesang hervorgehoben – mal wird bloß angeklagt, fast gesprochen, dann wird wieder gesungen oder sogar mal gerappt, wie in dem Lied ”Arbeitstitel”. Der innere Konflikt, in dem der ”Shadowboy” sich befindet, wird jedoch nicht gelöst, denn ”End of us”, das letzte Lied auf der Scheibe, endet mit Melodien, die an Krieg erinnern. So ein Epos in Form von elektronischer Musik zu kreiieren ist einzigartig und sehr gelungen, da es sehr modern klingt und man mit Epos eher klassische Musik verbindet. Das Album passt gut in heutige Zeiten, wo viele das Gefühl erleben, alleine und überfordert inmitten der Maße zu sein, weil man nur als Funktionsträger und nicht als Individuum gesehen wird. Es entsteht ein Gegenentwurf zur Passivität der Menschheit, Shadowboy ist wütend, möchte aufrütteln und sensibilisieren – und das ist auch gut so, denn die Unterdrückung unserer Selbst muss endlich aufhören. Wir müssen uns endlich wieder als wertvolle Individueen sehen und den Sinn jedes Einzelnen anerkennen und uns von den gesellschaftlichen Zwängen befreien. Klangstabil haben hier eindeutig Musik mit Motivation geschrieben, man spürt, dass dieses Album gemacht werden musste, um manche Dinge zu verkraften. Es ist nicht nur ein Unterhaltungsstück, wie so viel Musik heutzutage, auch in unserer schwarzen Szene, sondern ein Werk, dass zum Nachdenken anregt; über unsere Gesellschaft und die Werte, die uns vermittelt werden. Doch ”Shadowboy” tut vor allem eins: einen berühren, da er sich so menschlich und verletzlich präsentiert. Für mich definitiv ein Diamant, den hoffentlich noch viele für sich entdecken werden. Anspieltips: The Awakening, Arbeitstitel, Schattentanz, Bottom of your list. Meine Bewertung: 8/10

http://www.amusio.com
Es muss furchtbar sein, Eindrücke aus seiner Umwelt nicht mehr filtern zu können. Genau mit diesem Problem kämpft Klangstabil-Mastermind Boris May seit rund vier Jahren. Er leidet an Hypersensibilität, nimmt also alle Sinnesreize gleich stark wahr, was zwangsläufig zu Panikattacken und sozialer Isolation führt. Genau davon handelt “Shadowboy”, der langersehnte Nachfolger des 2008er “Math & Emotion”. Seit jeher betrachtet Boris die Zusammenarbeit mit seinem Kompagnon Maurizio Blanco auch als ein musikalisches Tagebuch. Die Musik von Klangstabil ist gleichzeitig das Seelenbild des Chefdenkers. Der gebürtige Reutlinger kämpft mittlerweile mit vielen Problemen, die er auch im “Shadowboy”-Booklet niedergeschrieben hat. Boris bekam Angstzustände, als er einfach nur über die Straße auf die andere Seite laufen wollte. Die Menschenmassen, die sich auf dem Bürgersteig bewegten, schienen für ihn unüberwindlich. Im Laufe der Zeit wurde dem Musiker immer deutlicher, dass er sein altes Leben nicht mehr führen konnte. Die Stadt mit seinen tausend Gerüchen, Geräuschen und Bildern wurde ihm zuviel. Also sucht er Ausgleich in der Natur außerhalb der Stadt. Hier entstand die Idee zu “Shadowboy”. Es ist ein klassisches Konzeptalbum, das sich um diesen “Shadowboy” rankt. Er ist Boris’ Alter Ego, ein Wesen, das abgeschieden lebt und soziale Kontakte meidet, wenngleich er kein Misanthrop ist. Seine Veranlagung erlaubt es ihm einfach nicht. Klangstabil, seit jeher für experimentelle elektronische Musik bekannt, wirken aggressiver. Die Songs sind Hilferufe, ein Nichtwahrhabenwollen der Situation. Erstmals nutzen Klangstabil dafür auch die Kunst des Sprechgesangs wie bei “Arbeitstitel”. Deutlich der Wunsch nach einem Ausbruch aus dem GEfängnis mit unsichtbaren Stäben. “Shadowboy” ist ein Album, das den Hörer dazu fordert, genau hinzuhören. Die Stimmungen allein durch die Musik (allen voran das erhabene, bombastische “Schattentanz”) bewirken schon viel. Doch erst die Texte geben Aufschluss über die Welt des Boris May. Bei aller Tragik hat das Album auch ein persönliches Happy End. Während der Dreharbeiten zum Video des Titeltracks hat Boris Freunde und Bekannte eingeladen, um sie abzufilmen. Dabei traf er auf seine jetzige Frau, seinem “Shadowgirl”, wie er sie nennt. In Zeiten tiefster Dunkelheit ist eben doch irgendwo ein Licht.

sonic seducer magazine
Klangstabil bleiben auch im 19. Jahr ihres Bestehens der große stilistische Ausreißer im Ant-Zen Katalog - und das ist ganz und gar positiv gemeint. Der breitwandige Synthpop mit lämrigen Untertönen wurde diesmal um HipHop-Elemente verstärkt - eine logische Konsequenz, hatte Sprechgesang doch immer einen festen Platz bei den beiden Reutlingern. Ebenfalls weiterhin fest im Repertoire zu finden ist die Mehrsprachigkeit der Lyrics - Deutsch, Englisch und Italienisch. Inhaltlich geht's wie gehabt um die großen Themen Einsamkeit, Freundschaft und Sich-am-falschen-Ort-Fühlen. Eingebettet sind die emotional-persönlichen Texte in melancholisch-warmen Elektronikpop, der einerseits häufig in  Richtung rau-lärmiger Elektro aufbricht, anderseits nun eine Flanke gen Rap öffnet. Schade nur, dass der nächste Entwicklungsschritt in Form eines weiteren Albums aller Wahrscheinlichkeit nach wieder weitere vier Jahre auf sich warten lassen wird. Sascha Bertoncin

gothic magazine
Seit 2009 leidet Boris May an Hypersensibilität. Das bedeutet, dass er Menschenmassen, unterschiedliche Gerüche und Lärm meidet, weil sie in ihm Stress auslösen. Deshalb sucht der Musiker seinen Ausgleich in den Wäldern außerhalb der Stadt. Mit "Shadwoboy" verarbeitet Boris diese, sein Leben verändernde Krankheit. Die kühle Elektronik steht dabei sinnbildlich für Boris' Introvertiertheit, während die aggressiv bis verzweifelt vorgetragenen Texte wie die Hilferufe eines Mannes sind, der ausbrechen will aus der selbst gewählten Isolation. Stärker als zuvor kommen dabei wie in "Arbeitstitel" derber Sprechgesang zum Einsatz, der selbst der tighteste Rapper nicht besser hätte vortragen können. Seine sträksten Momente hat das Album aber mit "Schattentanz" und "End of us": Hier türmen sich meterhohe Klangwände auf, die einem noch lange in Erinnerung bleiben, auch wenn "Shadowboy", das vielleicht beste, weil persönlichste Klangstabil-Album, bereits verklungen ist. Fantastisch. Stefan Schmidt

http://machinistmusic.net/reviews/klangstabilcd2013.html
review in weißrussischer sprache

http://www.darkitalia.it
Tornano in grande stile i Klangstabil. E la loro verve balza subito con carica dirompente, precisa e ispirata come sempre. A distanza di cinque anni dallo splendido "Math & Emotion", Boris May e Maurizio Blanco mantengono ben stretta la presa, senza cedere di un passo, a dimostrazione di un'innegabile maestria che ad ogni uscita discografica si conferma e, se possibile, si eleva ulteriormente. Una carriera fatta di masterpieces, sciorinati uno dietro l'altro come sagaci pugni nello stomaco, di quelli che si è ben disposti a ricevere, tale è la loro capacità di saper fondere con intelligenza le più disparate fonti elettroniche esistenti. E quest'indole, pregnante nella forma e nei contenuti, esordisce in bella posa con l'opener 'Shadowboy - The Awakening', un incipit spiazzante che riecheggia di IDM e freestyle, in cui fin dapprincipio si pone in evidenza l'esegesi del concept intrinseco all'album, caratterizzato da una disamina della creazione artistica minacciata dalla distruzione dell'identità, che per l'appunto l'Arte in sè dovrebbe contribuire a formare e a cristallizzare. Il vezzo sagacemente polemico e costruttivo non demorde con 'Pay With Friendship', in cui l'esuberante necessità di cambiare lo status quo veicola il messaggio con un'elegante struttura hip-hop, accompagnata quasi ininterrottamente dalla delicatezza malinconica del pianoforte. E subito dopo è il turno di 'Cinecittà', caustica e condivisibile critica all'attuale condizione del Belpaese, vero e proprio manifesto che dovrebbe essere imposto come monito alle generazioni presenti e future, soppiantando l'ormai desueto Inno di Mameli: la verità amara a cui si conferisce musica e voce è un concentrato inestricabile e delizioso di poetico affrancamento dall'attuale dissesto nazionale a cui stiamo andando incontro, nell'immobilismo generalizzato di cui tutti siamo complici. La traccia successiva recupera i toni freestyle, picchiando giù duro con rancorosa ostinazione e malcelata virtù, avviandoci al gioiello techno di 'Schattentanz', che nei suoi sette minuti e poco più incalza l'ascolto con un crescendo epico caratterizzato dall'onnipresente leit motiv "I create, you destroy" e da un affastellarsi di stratificazioni sonore che assurgono a maestoso congedo nell'interlocuzione corale. Un capolavoro, nè più nè meno. L'atmosfera si alleggerisce con 'Arbeitstitel', un freestyle calibrato e smussato ove si conviene, mentre con 'The Bottom of Your List' la IDM si fa breccia e nido in un fulgore techno che fa dei BPM un pretesto per il trionfo dello sdegno e della malinconia. La conclusiva 'End of Us' riecheggia della title-track, irrobustendo l'agglomerato industriale con pessimistici - e sempre graditi - rintocchi sintetici di casse vibranti, celebrando una fine inevitabile che si fa carico della rinascita prossima ventura. Forma armonicamente perfetta, contenuto edificante e costruttivo da diffondere su larga scala e, infine, un'eterogenea ispirazione che non teme nè tedio nè stasi. Senza stare a girarci troppo intorno, almeno non più di quanto abbia già fatto con l'analisi appena effettuata, è un disco che deve essere ascoltato e apprezzato. Dunque, cosa aspettate? Come redarguiscono i Klangstabil: volete solo stare a guardare come scompare la vostra identità? Svegliatevi dormienti. E aprite bene le orecchie all'epopea di Shadowboy. I create. You destroy. (9 von 10 Punkte)

http://www.avalost.de
Durch unseren lauten, bunten und reizüberfluteten Alltag können sich die meisten von uns nur deshalb so gut bewegen, weil unser Hirn derart justiert ist, Reize und Sinneseindrücke zu filtern und unterschiedlich zu priorisieren. Latscht doch mal zur besten Sendezeit über eine von Menschenmengen bevölkerte Straße. Die Gegend rund um den Bahnhof Zoo in Berlin beispielsweise. Ihr werdet feststellen, dass das zwar nervend sein kann, aber bei all dem Trubel so vieles von Eurem Hirn ausgeblendet wird, damit Ihr Euch sicher durch die Gegend bewegen könnt. Idealerweise ohne dabei Verstand zu verlieren. Was aber, wenn diese Filtermechanismus nicht so richtig funktioniert? Wenn Reize und Eindrücke sehr viel stärker als beim Durchschnitt auf jemanden einprasseln? Dann wird es möglicherweise echt unangenehm. Was dieses noch wenig erforschte Phänomen der Hypersensibilität mit dem neuen KLANGSTABIL Album „Shadowboy“ zu tun hat? Einiges. Bei „Shadowboy“ handelt es sich um nicht weniger als ein multimediales Gesamtkunstwerk, dessen Wurzeln zurückreichen bis ins Jahr 2009. Kurz nach der Fertigstellung des sensationellen letzten Albums „Math & Emotion“ stellte Boris May eine Veränderung an sich fest. Eine unerklärliche Angst vor seiner Heimatstadt Reutlingen überkam ihn, die ihn alsbald daran hinderte, Straßen zu überqueren und sich Menschenmassen zu nähern. Wie sich herausstellte, reagiert er überempfindlich auf Gerüche und Geräusche. Frieden und Entspannung fand er nur an Plätzen ohne Menschen. Im Wald quasi. Sinnierend über die Stadt als Käfig und den Wald als Rückzugsort war recht schnell die Geschichte rund um den Shadowboy gebohren. Und wir hätten an dieser Stelle den Kreis zur Hypersensibilität geschlossen. Beim Shadowboy handelt es sich um einen Jungen, der über Jahre im Wald lebt, fernab der Stadt oder sonstigem menschlichen Kontakt. Jedenfalls so lange, bis eine Gruppe Kinder aus der benachbarten Stadt diesen Shadowboy findet, langsam den Kontakt und später eine Vertrauensbasis aufbauend. Während der Shadowboy wieder sprechen lernt, lernen die Stadtkinder von ihm alles über das Leben in den Wäldern. Sie erkennen, dass sie sich gegenseitig brauchen und dass das Geheimnis über den einsamen Jungen in den Wäldern gewahrt werden muss. Er gehört einfach dorthin. So viel zur Geschichte des Buches, das dem limitierten (und längst ausverkauften) Boxset dieses Albums beiliegt und von Christian von Aster verfasst wurde. Eigentlich als Geschichte für 9- bis 12-jährige Leser gedacht, lässt sich das Buch auch von Erwachsenen lesen. Als eine Art Gleichnis über Leben und Tod, dem Erwachsenwerden, Freiheit und dem wahren Wert der Freundschaft. Vor allem aber lässt sich das Buch als andere Seite dieses erstaunlichen Projektes betrachten. Während von Asters Geschichte, die auf dem Entwurf von Boris May basiert, die Handlung von außen betrachtet, ist das Album Klangstabils eher die Reise in die Gedanken- und Gefühlswelt dieses Shadowboys. Und so wie auf hypersensible Personen oft eine Vielzahl Reize hereinbrechen, so präsentieren Klangstabil dementsprechend ein extrem vielschichtiges Album, dessen Halbwertszeit enorm hoch ist. Viel zu viel gibt es hier zu hören, zu erleben, zu interpretieren und zu genießen. Mehr als sich in Worte verpacken lässt. Allein das Eröffnungsstück „Shadowboy – The Awakening“ lässt den Hörer erfürchtig staunen. Und das nicht nur der interessanten Entstehungsgeschichte des zugehörigen Videos wegen: gedreht wurde der Clip nämlich bereits 2010 während des Maschinenfestes. 200 Leute wurden gefilmt, um der Suche danach, wer oder was ein Shadowboy ist, ein Gesicht zu finden. Darunter auch Boris Mays heutige Frau. Die Besucher des Maschinenfestes, die für das Video gefilmt wurden, hatten zu dem Zeitpunkt jedoch noch keine Ahnung, um was es dabei eigentlich gehen sollte. Veröffentlicht wurde das Video erstmals im Rahmen des Planet Myer Days 2011, zusammen mit einem ersten Konzept, wohin die Reise des Shadowboys musikalisch gehen sollte. Und wenn man von Klangstabil eines erwarten darf, dann das: ausgefeilte Elektro-Frickelei, die stets neue Reize für die Düsterszene liefert. So ist dann auch der Titelsong ein Meisterstück mit ungewöhnlichen und mächtigen, schwer schnaufenden Beats geworden, dem großflächige Synthieteppiche und spacige Melodiefragmente unterliegen. Dazu der gewohnte Sprachsingsang Boris Mays. Wer mit dem kalten, maschinell wirkenden Sound Klangstabils vertraut ist, wird sich hier ganz schnell heimisch fühlen. Doch damit nicht genug: „Pay With Friendship“ überrascht mit Rhythmen und Beats, die man viel eher im Hip-Hop-Bereich verorten würde. Das schindet mächtig Eindruck! Dazu gesellen sich vertraute Klavierspielereien. Spätestens mit diesem Song ist man wieder gänzlich drin im Klangkosmos von Klangstabil. Es folgt das italienische „Cinecittà“, das in Zusammenarbeit mit Sensory Gate entstand. Es fühlt sich an wie eine Fortsetzung von „Perdere per vincere“ und hätte auch hervorragend beim letzten Album „Math & Emotion“ stattfinden können. Ich entrichte an dieser Stelle einen Gruß an Max und Andrea von Sensory Gate. Dank Eurer Mithilfe ist dies ein weiterer Klangstabil-Klassiker geworden. „1 Of 100“ überrollt den Hörer einmal mehr mit satten Hip-Hop-Sounds, die wie nahendes Gewitter aus den Boxen tönen. Die verspielten, hintergründigen Sounds dürften wohl wenigstens zu Teilen Klangtüftler Daniel Myer zu verdanken sein, der bei diesem Song seine Finger mit im Spiel hatte. Erfreulicherweise ohne Dubstep-Momente. ;) „Schattentanz“, mitproduziert von Ben Lukas Boysen (Hecq), ist nach „You May Start“, „Math & Emotion (The Square Root Of One)“ und „Twisted Words“ das nächste ganz große Ding aus dem Hause Klangstabil! Ein bisschen trancig in der Ausgestaltung, wird es im Verlaufe der mehr als sieben Minuten aufgrund der kirchlich anmutenden Choreffekte sehr Gänsehaut bescherend. Eine unglaubliche Nummer und defintiv einer der berauschendsten Elektro-Songs dieses Jahres! Damit hat das Album seinen Höhepunkt erreicht. Es folgt „Arbeitstitel“ – konsequenterweise dieses Mal mit Rap im klassischen Sinne versehen. Nach der häufigen Verwendung entsprechender Beats irgendwie nur folgerichtig. Zwar ist die Kombination elektronischer Düstermucke und Rap nicht ganz neu, homogener bekam man das allerdings bisher nicht zu hören. „The Bottom Of Your List“ ist so etwas wie die zarte Ballade dieses Albums, angereichert mit vielen, vielen Samples und Soundspielereien, die diesen Song vor allem über Kopfhörer zu einem Erlebnis machen. Unter diesen Voraussetzungen bekommt man einen guten Eindruck davon, wie das Leben für Hypersensible sein muss. Mit dem achten Song dieses Albums, „End Of Us“, wird leider auch das Ende dieses viel zu kurzen Albums eingeläutet. Einmal mehr unter der Mithilfe von Daniel Myer entstanden, endet „Shadowboy“ so, wie es nach den vorhergehenden Songs eigentlich auch nur enden konnte: sensationell! Ein Merkmal von Hypersensibilät ist das intensive Erleben von Kunst und Musik. „Shadowboy“ als Gesamtkunstwerk (Buch, Album, Video) schreit gerade zu danach, dem Klang, den Worten und den Bildern mit aller Hingabe und Aufmerksamkeit zu folgen, sie zu genießen, die Reize ungefiltert auf uns einprasseln zu lassen. Mit anderen Worten: uns für die Dauer dieses Albums auch hypersensibel werden zu lassen, damit wir nicht auch nur eine einzige Nuance verpassen. Mehr Hingabe und Aufmerksamkeit, die in die Entstehung eines Albumgs geflossen sind, werden wir eine ganze Weile nicht mehr zu hören bekommen, schätze ich. Ein Meisterwerk für Musikliebhaber. Fazit: Im Bereich der düsterelektronischen Klangkunst ist „Shadowboy“ das Album geworden, auf das ich das ganze Jahr über gewartet habe! Eine interessante Entstehungsgeschichte, gepaart mit einem fetzigen  Konzept, einer umfassenden Ausarbeitung und dazu ganz viele innovative Sounds und Impulse! Während andere große und gestandene Bands sich darauf ausruhen, mit bewährten Mittelchen auf der Stelle zu treten, gehen Klangstabil mit „Shadowboy“ einen, vielleicht sogar zwei bis sieben Schritte weiter. Sicherlich lässt sich noch immer der gewohnte Sound heraushören, der erfrischende Input der anderen beteiligten Musiker sorgt dennoch dafür, dass Klangstabil mit „Shadowboy“ neu definiert wurde. Im Pressetext heißt es, dass Klangstabil nach wie vor eine musikalische Antwort auf die Frage zu geben versuchen, was denn wohl als nächstes käme. Ich weiß es auch nicht, aber wir können wohl davon ausgehen, dass Maurizio Blanco und Boris May auch dann wieder ganz vorne mit dabei sein werden. Über den Shadowboy sagen Klangstabil, dass er zu einem Freund geworden sei. Es ist nicht schwer zu verstehen, warum.

http://www.gothic-family.net
Mit ihrem neuen Projekt "Shadowboy" setzen Klanstabil wieder einen Marker in ihr musikalisches Wirken. Seit 19 Jahren macht das Duo Boris May und Mauricio Blanco als Klangstabil Musik und kombiniert dabei die unterschiedlichsten Stilrichtungen. "Shadowboy" heißt nun das neueste Projekt. Dieser "Junge" steht dabei für die nicht NORMgerechten Ansichten und Einstellungen, die wohl besonders in unserer Szene in vielen vorherrschen. Zum Titeltrack gibt es ein sehr gutes Video, in dem viele "Schwarze" mitgewirkt haben (ein bisschen so wie bei "Cry") und "Shadowboy" in die Camera sagen/schreien. Die CD beinhaltet 8 Tracks teilweise in Englisch, teils in Italienisch gesungen. Mir persönlich gefällt "Schattentanz" sehr gut und auch "the bottom of your list"... Wer ist schon gerne, der letzte auf einer Liste? zwinkern Tja nun habe ich immer noch nichts zur Richtung des aktuellen Albums gesagt. Ich finde es geht stark in den Ambient Bereich, klar auch Industrial und gesanglich erinnert es mich ein Stück weit an Anne Clark. Klangstabil ist halt ein Unikat, welches viele Richtungen vereint. Dabei ist die Musik niemals seicht, sondern stürzt eher brachial auf einen ein. Aber macht euch besser selbst ein Bild.

medienkonverter.de
Oh, große Freude. Klangstabil füllen endlich wieder meinen Schädel und wecken den Shadowboy. Ja, ebenjenes ruhige, sich langsam in eine episch drückende Soundwand steigernde Titelstück, das das Duo bereits seit einiger Zeit auf Konzerten in Bild und Ton präsentiert. An dieser Stelle auch gleich eine Empfehlung - das Video, das unter Beteiligung zahlreicher Fans entstand, ist wirklich sehenswert. Das vorliegende Album zeigt ein sich stetig und konsequent musikalisch weiterentwickelndes Projekt, dessen Hauptanliegen bleibt, dass der Hörer sich mit sich und seinem Verhalten in der Gesellschaft auseinandersetzt. 2013 ist man musikalisch deutlich weg von Taking nothing seriously und Math & Emotion (von den Anfangstagen wollen wir gar nicht sprechen). Die elektronische Härte ist nach und nach einem weicheren Sound gewichen und die eher vom EBM beeinflussten Vocals erinnern nun mehr und mehr … ja, es überrascht vielleicht.... dem Hip Hop. Das hat mich anfangs schwer verschreckt, ist dies doch nicht gerade meine favorisierte Musikrichtung. Aber mit jedem Hördurchlauf kann mir der Shadowboy mehr und mehr gefallen, passt die Verknüpfung des alten Sounds mit dem neuen Stil sehr gut: Beats, Rythmik und Gesang von z.B. “1 of 100” sind so deutlich Hip Hop, doch die Melodielinien sind epischer Klangstabilsound – wunderbar. Die Texte wissen durch ihre unaufgeregte Lyrik mit ambitioniertem Inhalt zu gefallen. Vor allem das wundervolle “I pay with friendship”, “1 of 100” (irgendwie passend hier die deutsche Betonung in den englischen Texten) und “The bottom of your list”. Man mag die Texte naiv nennen, doch anders als bei vielen anderen Projekten ist die Aufforderung an den Hörer Zentrum der Musik und nicht plumper Nebeneffekt. Mit “Schattentanz” findet sich dann noch einmal ein wie-früher Kracher auf dem Album: aufgebaut auf das Shadowboy Grundschema drücken sich die Melodien immer mächtiger in den Schädel des Hörers – fantastisch. Ich kann jeden Unkenden verstehen, der Hip Hip EBM verdonnert, aber all diejenigen, die sich heranwagen und ein offenes Ohr mitbringen, können mit dem Shadowboy eine echte Freundschaft eingehen, trotz leichter Schwächen in Sachen melodischer Spannung auf Albumlänge. Hut ab – ein solcher Stilwechsel braucht Mut. Den beweisen Klangstabil und auch viel Herz.

http://www.idieyoudie.com
Klangstabil’s most recent LP Shadowboy is most certainly a continuation of the direction Boris May and Maurizio Bianco took on their last album, 2008's fabulous Math & Emotion. The musically eclectic duo had played with electro-pop since the group’s inception in the mid-90s, but it was the latter record’s lush, affecting and emotional sound that set it apart from every sonic experiment the duo had attempted up ’til that point. Shadowboy is similarly positioned as a kind of therapy for Boris May, who explains the circumstances of its creation in the extensive liner notes (which inexplicably also contain an interview with an astronomer about whether mankind could potentially blow up the moon). Where Math & Emotion sought to reconcile sentiment via the metaphor of mathematics and scientific absolutes, Shadowboy has a much less clear conceit, nominally a character study tied to a novel commissioned to accompany the record. I haven’t read the book (included with the deluxe edition of the record), though from what I can gather it’s about a boy who is raised in isolation from society, a theme that only seems to apply directly to some of the songs. To be honest the whole album feels weighed down by all the conceptual ideas attached to it; even before I read through any of the ancillary notes, the wordy, semi-rapped songs felt somewhat confused. The catharsis of May’s ultra-emotive delivery comes across immensely well on opener “Shadowboy – The Awakening”, accompanied by corroded percussion of swelling synth strings. From there things get odd: “Pay with Friendship” amps up the hip hop influence, but is built around a fairly strained metaphor about interpersonal currency. It feels mean to admit it, but I actually giggled at May’s pained sounding request to “Get this party started!”, it’s clear he’s taking this really seriously and it lends many of these songs an air of turgidity. Making the effort to disengage from the themes of the record and just listen to the songs on their own merits does yield some results. Daniel Myer-assisted tracks “1 of 100? and “End of Us” strike a less dubious balance of rhythmically delivered vocals and beautifully rendered digital orchestration. Similarly, Italian language track “Cinecitta” works for me because I don’t speak the language and I can simply allow the ringing synth tones roll over me without trying to reconcile the song with anything surrounding it. It’s quite the contrast to “Arbeitstitel” which features German MC Fage, whose smooth rhyming only serves to make May sound more manic and overwrought when he takes the vocal spotlight. Similarly the inclusion of some fairly pedestrian Public Enemy samples on “The Bottom of Your List” feels tokenistic, especially on one of the least hip-hop influenced songs in the album’s last half. With all that said, I don’t think Shadowboy is terrible, just confused. It’s the kind of record that gets made by someone who is processing some very personal changes, and the band certainly has a lot of ideas they’re trying to express. The issue is that it has something of an identity crisis, it can’t decide if it wants to be a very personal record or a heady cerebral one. Maybe that struggle is part of some grander concept I can’t divine, but the fact remains that I spent a lot more time scratching my head at Shadowboy than enjoying it.

http://www.musikreviews.de
Es wird mal wieder Zeit für ein komplett subjektives Review. Was einfach daran liegt, dass die Musik des deutschen Electroduos KLANGSTABIL eine so tiefgehende Wirkung hat, dass es einfach nicht mehr möglich ist, in Sachlichkeit darüber zu schreiben. Der Erstkontakt fand mit der "Vertraut"-EP in 2010 statt, eine weitere Beschäftigung mit dem älteren Material von Maurizio Blanco und Boris May fand jedoch nicht statt. Dieser Zustand ist auf Dauer jedoch nicht tragbar, was spätestens mit dem Verinnerlichen des neuen Albums "shadowboy" zur unverrückbaren Tatsache geworden ist.  KLANGSTABIL kreieren darauf elektronische Musik, die man zwar grundsätzlich in der "schwarzen Szene" verorten würde, angesichts der dort leider vorherrschenden Oberflächlichkeit tut man der Band damit aber fast schon Unrecht. Jedenfalls dann, wenn man die Szene auf ein Mainstream-Event wie das WGT reduziert, wo sehen und gesehen werden wichtiger zu sein scheint, als die Musik. Wie gut, dass es Menschen wie HAUJOBBs Daniel Myer gibt, der alljährlich den Planer Myer Day ausruft, ein kleines, aber feines Festival für düstere elektronische Musik. Da waren KLANGSTABIL gut aufgehoben. Doch zurück zu "shadowboy", mit dem das Duo beweist, wie abwechslungsreich und tiefgehend diese Art von Musik sein kann. Hier im Zusammenspiel mit dem inhaltlichen Konzept, das man unter dem obigen Link nachlesen kann. Beides zusammen ergibt höchst intensive 39 Minuten. Atmosphärisch-krachig und mit der markanten Textzeile "I create - you destroy" versehen, bohrt sich "shadowboy - the awakening" dank der bedrückend-depressiven Stimmung sofort tief ins Herz. Rhythmisch deutlich lebendiger überrascht "pay with friendship" mit Sprechgesang und wenn man ehrlich ist, ist der Song im Grunde genommen eine reine HipHop-Nummer, die aber trotzdem angemessen düster bleibt und ein bisschen an den deutschen HipHop der frühen 2000er Jahre erinnert. "cinecittà" ist eine wiederum atmosphärische, eher ruhige Electro-Nummer mit italienschem Text, der vergleichsweise aggressiv vorgetragen wird. Und selbst wenn man den Text nicht versteht, verfehlt die Kombination aus Musik und Gesang ihre Wirkung auch hier nicht. Auch "1 of 100" verbindet Electro und latent aggressiven Sprechgesang, während "schattentanz" minimalistisch-technoid startet und im Verlauf tranciger wird. Beim "arbeitstitel" wird gekonnt auf Deutsch und Englisch gerappt - das muss man schon explizit mögen. "the bottom of your list" bleibt mit reduziertem, rhythmischen Ambient zunächst betont atmosphärisch, legt zum Ende hin aber an Intensität zu, das abschließende "end of us" fasst das zuvor gehörte in gewisser Weise musikalisch zusammen. FAZIT: Ich kann gar nicht genau sagen, wie KLANGSTABIL es schaffen, mich so fast schon beunruhigend tief mit ihrer Musik zu treffen. Die schwer melancholischen Melodien, die kühle Elektronik und die immer durchschimmernde Aggressivität ergeben jedenfalls ein für mich emotional explosives Gemisch, das selbst in der Verbindung mit Hip-Hop ausnahmslos Wirkungstreffer erzielt. (Andreas Schulz)